Dienstag, 5. Juni 2012

more than just a leitmotif, more chaotic, no relief





Möglicherweise war es naiv daran zu glauben, dass mir das Glück in den Schoß fallen würde, dass mein Horoskop, das ich ausnahmsweise mal gelesen hab, Recht behalten würde.
Berlin hat schon jahrelang zu jeder Tages-, Nacht- und Jahreszeit mein Herz im Sturm erobern können, aber es ist ein Unterschied, wenn man nicht als Tourist kommt und geht, sondern Wohnungen begutachtet und an jeder Ecke denkt, dies hier wird bald mein Zuhause sein. Ich hab daran geglaubt, dass das klappen würde, hab es auf meiner Wunschliste ganz nach oben gesetzt und völlig ausgeblendet, dass mir irgendeine Kleinigkeit einen Strich durch diese so wasserdichte Rechnung hätte machen können. 
Nach einstündiger Besichtigungstour war ich bereits dabei gedanklich meine Möbel zu platzieren und die Farbe für die Vorhänge auszusuchen, da verkündete uns der ungemütliche Anzugträger, dass dieses Schmuckstück von Wohnung ja eigentlich schon vergeben und wir nur die sicher niemals benötigte, primitiv abgespeiste zweite Wahl seien. Der Kerl lächelte, während ich den Besen auspackte, um erneut die Scherben eines zerbrochenen Traumes aufzukehren. Tatsache ist, dass mein jetziges, von mir mittlerweile so verhasstes Zuhause in zwei Monaten einen neuen Besitzer haben wird und ich meine Möbel somit nach derzeitigem Stand auf der Straße stapeln kann. 
Es ist schlimm, wenn man einen Traum hat, der von vornherein unerreichbar scheint. Schlimmer ist, eine Kostprobe direkt vor die Nase gehalten zu bekommen, der Hoffnung zu verfallen, etwas erreichen zu können und im allerletzten Moment doch mit leeren Händen dazustehen. Manche werden hierüber zustimmend nicken, die anderen um eine Erfahrung reicher sein.

Seit ich resigniert zurückgekehrt bin, ertrage ich dieses Kaff, das sich mein Zuhause nennt, nur noch mit zugezogenen Vorhängen. Mir fehlt es, noch nachts um 2 vom ratternden Geräusch der Straßenbahn vor meinem Hotelzimmer aufgeweckt zu werden, mir fehlt es, nicht mehr schief angeguckt zu werden, weil die Shorts zu kurz für die engstirnigen Bauernvorstellungen sind, mir fehlt der morgendliche Caramel Macchiato, mir fehlt die überfüllte S-Bahn, bei der selbst die Aufschrift meines T-Shirts Anlass gibt, jemand Neues kennenzulernen. Mir fehlt die Toleranz, das Zuhause-Gefühl, der strahlende Individualismus jedes einzelnen, ein paar nette Worte mit einem ehrlichen Lächeln. Mir fehlt die Lust am Leben. 
Hier, hier fühl ich mich so fremd als wäre nicht einmal mein Körper mehr Teil von mir.


Kommentare:

  1. coole Bilder! und toller Blog!

    tanja-nicole.blogspot.com

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  2. wow. ich mag deine texte .. vorallem weil man deine sehnsucht spüren, und verstehen kann.

    lg daria.
    http://www.youtube.com/watch?v=-TVPUqN4q4o

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  3. Hallihallo

    Sehr, sehr schicken Blog hast du da, gefällt mir sehr gut! ;)

    Hast du vielleicht Lust bei meiner Blogvorstellung mitzumachen? Diesmal darfst du dich selber vorstellen, dachte mir das ich mal was anderes?!
    Teilnahmebedingungen und alles weitere findest du auf meinem Blog

    Liebste Grüße;*
    Yannick


    libertywalk.de

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